Scrapbooking für Anfänger: Der richtige Kleber

(es schreibt: PAPER)

Am Anfang stand der Kleber und nicht etwa Bindesysteme für Mini Alben, Stempel und Stanzen, was, zugegeben, ein wenig schade ist.

Nichts desto trotz: kleben ist eine Wissenschaft für sich und ich hätte mir einiges an Frustration und misslungenen Projekten erspart, hätte mir mal einer gesagt, dass die Uhu flinke Flasche nicht geeignet ist, um eine Scrapbook-Bindung bis ans Ende aller Tage und unter der Last von mehreren Kilo Papier mit einem Buchrücken zu vereinen. Mit etwas Pech hat man nach dem dritten begeisterten Umblättern der betonschweren Seiten die Arbeit mehrerer Tage wieder in der Hand oder schlimmstenfalls sogar zerstört. Die Krokodilstränen auf Papier tun dann ihr Übriges.

Ich möchte euch nicht jeden Kleber der Welt vorstellen, selbst wenn ich könnte. Vielmehr möchte ich meine simplen Favoriten und do’s and don’ts mit euch teilen, auf dass ihr eure eigenen Erfahrungen machen könnt. Zum Einstieg ein paar Regeln, die dem blutigen Scrapbook-Anfänger das Leben etwas leichter machen sollen. Meine Geheimtipps – auch für fortgeschrittene Scrapbooker – verstecken sich am Ende. Los geht’s!

5 Regeln für Klebeneulinge

1. Der Klebestift tut es auch erst mal! Beginnt ihr damit, Grußkarten zu basteln, Anhänger und Tags aus Papier zu werkeln oder Terminplaner zu verschönern, kommt ihr mit dem klassischen Prittstift schon sehr weit. Für das Kleben von Papier auf Papier reicht das und es muss auf gar keinen Fall der aktuelle Trendkleber der amerikanischen Scrapbook-YouTuber sein. Zum Verkleben von Stoff, Kunststoff, Holz und Metall kommen wir später.

 

2. Wer billig kauft, kauft zweimal: Eine Weisheit, der ich in den meisten Fällen entschieden widerspreche. Wenn es um Kleber geht, ist sie aber leider wahr. Greift bitte nicht zu den „no name Klebern“ aus TEDI, Action und Euroshops, sondern lieber ein mal etwas tiefer in die Taschen. Die wirklich tragfähige Zusammensetzung von Klebstoffen hat ihre Berechtigung und auch ihren Preis, dafür habt ihr später keinen Ärger mit abgelösten Kanten und welligem Papier.

Das soll aber nicht heißen, dass ihr unbedingt den teuersten Kleber im Regal stehen haben müsst. Baumärkte, Drogerien, große Supermarktketten und auch die „Euroläden“ führen ein breites Sortiment an gängigen Flüssigklebern, Klebestiften und Klebebändern der Marken Pritt, Pattex, Tesa und Uhu. Greift ihr hier zu, könnt ihr für den normalen Scrapbook-Alltag nicht viel falsch machen. Erfahrungsgemäß sind hier sogar die Billigläden am teuersten. Auch die große Bastelkette „Idee“ schlägt bei Klebern ordentlich zu. Ein Abstecher zu Rossmann, Hornbach oder Kaufland lohnt sich also. Auch die Onlineanbieter verkaufen in der Regel nicht viel günstiger. Da Kleber zur Grundausstattung des Scrapbookers gehört, ist es zusätzlich sinnvoll, eine Bezugsquelle vor der Haustür zu haben und ein Euro mehr bewahrt euch vor bösen Überraschungen.

 

3. Immer schön beweglich bleiben! Eine Frage, die sich für Kartenscrapper genauso stellt, wie für Mini Alben und Buchbastler: muss das verklebte Teil sich bei Gebrauch bewegen können, oder ist es immer starr und nie unter Spannung? Hierbei meine ich besonders überklebte Falzen, bezogene Albencover und Buchhüllen, Papierbindungen und alles, was geklappt werden kann. Normale Flüssigkleber, Heißkleber und auch Klebestifte werden beim Trocknen starr oder kleben nicht stark genug, um Spannung aushalten zu können. In der Regel ist es hier sinnvoll, zu qualitativ hochwertigem, doppelseitigem Klebeband zu greifen, da dieses sich der Falz anpasst und auch nach dem Kleben elastisch bleibt. Ich benutze das doppelseitige, transparente Klebeband von Tesa. Das Internet ist voll von Alternativen. Sticky Tapes sind ebenfalls doppelseitige Klebebänder, die extra für den Bastler gedacht sind. Mir ist hier allerdings die Qualitätsspanne zu groß. Zusätzlich kommt das Tesa Klebeband für 2,50 € mit einer Banddicke von 12mm und einer Länge von 10 Metern daher. Für kleinere Klebungen kann man es also wundervoll in 6mm und auch 3mm Streifen schneiden und es klebt trotzdem noch bombenfest. Testet trotzdem gerne ein bisschen, denn auch einige Flüssigkleber tragen das Merkmal „elastisch“.

 

4. Korrekturfähig? Ihr habt das schönste Papier ausgesucht, fertig zugeschnitten und… schief aufgeklebt. Was nun? Habt ihr hier doppelseitiges Klebeband oder Kleberoller benutzt, ist eine Korrektur nur noch mit sehr sehr viel Fingerspitzengefühl und meistens gar nicht mehr möglich. Zusätzlich besteht bei dünneren Papieren das Problem, dass sie Blasen werfen können oder „wabbelig“ sind, da sie nicht vollflächig kleben. Das ist ärgerlich ohne Ende. Auch wenn man mich für verrückt erklären möge, aber ich klebe Papierflächen nach wie vor mit Flüssigkleber. Dabei ist ein wenig Vorsicht geboten, damit euch der Kleber beim Andrücken nicht unschön unter den Kanten hervorquillt. Ich handhabe das so: jeweils einen etwas kräftigeren Punkt in jede Ecke mit 1-2mm Abstand zur Kante. An den Rändern das selbe Spiel: nicht zu zögerlich Kleber auftragen (aber auch nicht so viel, dass alles schwimmt oder verläuft), einen kleinen Abstand zur Kante halten. Die restliche Fläche streiche ich in Kreisbewegungen großzügig mit Kleber ein. 20 Sekunden antrocknen lasse und dann vorsichtig mit leichten Streichbewegungen auflegen. Ihr habt dabei noch ca. 10 Sekunden Zeit, das Papier sauber zu korrigieren oder noch mal abzulösen. 30 Sekunden warten. Danach streiche ich von der Mitte zum Rand die Flächen glatt und den Kleber bis zu den Kanten und Ecken. Lasst euch damit ein bisschen Zeit und ihr habt ein sauberes und vor allem gerades Ergebnis ohne Blasenwurf und nicht verklebte Stellen.

 

5. Stoff, Metall, Holz und Kunststoff: Deko ist ein elementarer Bestandteil beim Scrapbooking. Beklebt ihr unbewegliche Stellen wie Karten- und Buchcover, lautet der heiße Tipp: Heißkleben. Mit einer Heißklebepistole kann man so ziemlich alles befestigen. Ich empfinde das Heißkleben allerdings gelegentlich als problematisch, da Heißkleber unschöne Fäden ziehen kann und gerade Metall und Kunststoffe gerne wieder ausbrechen. Auch das sofortige Aufkleben ist ein wenig nervig, da Heißkleber beinahe augenblicklich erstarrt. Sekundenkleber verhält sich ähnlich. Bei glatten und geraden Flächen und auch bei den meisten Stoffe kann man sich wieder sehr gut mit doppelseitigem Klebeband behelfen. Flüssigkleber tut aber zur Not auch seinen Dienst. Achtet hierbei darauf, dass der Kleber für das entsprechende Material geeignet ist. Saugfähige Materialien am besten zwei mal bestreichen.

Ihr ahnt es schon, ich könnte einen Roman über das Kleben schreiben, doch diese 5 Tipps sollten vorerst ausreichen, um euch einen entspannt Start in euer Hobby zu ermöglichen.

Zum Schluss gibt es hier noch meine zwei absoluten Geheimtipps, bevor ich euch an den Basteltisch entlasse.

 

1. Scotch ATG: Ein Kleberoller, der eher einer Waffe, als einem Bastelutensil gleicht. 30 Meter doppelseitiges Klebeband mit 6mm breite fasst dieses Monstrum. Bindungen und Coverbezüge kann dieser Kleber nicht auf Dauer tragen, dafür aber alles andere aus Papier und Pappe. Klappmechanismen, Papierflächen, Einschubtaschen, die Scotch ATG hält und ist dabei auch noch unübertroffen schnell. Im Notfall kann man die geklebten Flächen kurze Zeit später auch noch vorsichtig ablösen. Der Anschaffungspreis allerdings hat es in sich und auch die Nachfüllrollen sind eine Investition für sich. Mit 30 € für die ATG selbst und zwischen 7 € und 12 € für die Refills gehört dieses Schätzchen nicht mehr zur Grundausstattung, sondern schon zu den Luxusgütern.

2. Uhu Kontakt Kraftkleber: WOW! Dieser Stoff ist ein Projektretter. Elastisch, schnell, bombenfest für ALLE Materialien außer Styropor, gleicht Materialspannungen aus und ist leicht zu verarbeiten. Es gibt ihn als Flüssigkleber und Gel, in der Tube (42g und 120g) oder gleich in der 250ml bzw. 750ml Dose. Ich liebe ihn sehr. Ich benutze ihn für Bindungen, Coverbezüge aus Stoff, Leder und Papier, zum verkleben von Embellishments und Verzierungen aus allen erdenklichen Materialien, einfach für alles. Beide zu verklebenden Teile werden dünn mit dem Kleber eingestrichen, bevor er 10-20 Minuten trocknen darf. Mit so viel Druck wie möglich presst man beide Teile zusammen (ich nehme, wenn möglich, ein Nudelholz 🙂 ) und sie lösen sich nie wieder. Versprochen. Die kleine Tube kriegt man in gut sortierten Bastelgeschäften, Drogerien und Supermärkten. In der Regel kostet sie zwischen 3,50€ und 6,50€. Ich empfehle euch aber, den Baumarkt eures Vertrauens aufzusuchen und euch gleich eine kleine Dose oder große Tube für fast den selben Preis zu besorgen. Die 750ml Dose Flüssigkleber kostet ca. 11 Euro, das Gel ist ein bisschen teurer. Aber das lohnt sich richtig!

Ich hoffe, ich konnte ein bisschen Licht ins Klebedunkel bringen und wünsche euch viel Spaß beim Handwerken.

Alles Liebe

PAPER

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Papierschlacht #1 – Santoro Mirabelle

(es schreibt: PAPER)

Klirrend kalt ist es heute im Zentrum Bochums und bestimmt auch drum herum. Das weiß ich nicht so genau, ich war heute nur mal kurz am Briefkasten. Das aber aus gutem Grund.

Das Weihnachtsgeld war einfach zu klein zum Scrapbooken, also habe ich es in gleich 5 Online-Shops gegen ordentlich großes Papier getauscht. Shopping nennt man das und auch der Kälteeinbruch verliert sofort seinen Schrecken, denn langweilen werde ich mich bestimmt nicht mehr.

Das Telefon klingelt, PATCH ist dran.

„Na?“

„Na!“

„Sind deine Päckchen gekommen?“

„Ja.“

„Zeig her!“

„Wie soll das denn gehen? Wir telefonieren.“

„Ach ja stimmt, dann beschreib mal!“

„Echt jetzt? Alles?“

„Mensch Kind, mach ein Foto und schick es per WhatsApp. Das kann doch nicht so schwer sein.“

„EIN Foto von ALLEM?“

„Himmel, dann eben nur vom Schönsten.“

„Gut. Dazu muss ich aber auflegen. Sonst kannst du hören, wie ich ganz komisch die Luft anhalte, damit mir das Handyfoto nicht verwackelt.“

„Von mir aus.“

PATCH legt auf und ich mich ausgestreckt auf’s Parkett, um mir zu überlegen, welches der gut 10 Paper Pads voller feinster Design Papiere nun mein Liebstes ist. Zumindest vorerst.

Ich bin erstaunt, dass der Sieger nach nur 10 Minuten Blättern feststeht und fange begeistert glucksend und immer mal wieder lautstark die Luft anhaltend an, jedes einzelne Motiv, ja jeden glitzernd geschwungenen Schnörkel, jedes romantische Grübchen des gezeichneten Mädchens auf dem Cover, jeden zarten Schmetterling, jede folierte Vintagerose und jede kleinste Erhebung der Leinenstruktur zu fotografieren. Wer dieses Papier kennt, wird es an der Stelle bereits erraten können:

Santoro Mirabelle, die Edelste unter den Trimcraft Collections, hat den Papierkrieg #1 mit Abstand gewonnen und damit Prima Marketing und K&Company als meine all time favorites locker abgehängt.

Dieses Paper Pad ist unaussprechlich romantisch, gleichzeitig aber mindestens genauso stilsicher wie schlicht und die Qualität des Papiers ist brilliant. Kein Pink, das mich erschlägt, keine Schriftzüge an alle Ecken und Enden, nirgends auch nur ein Blümchen zu viel. Dieses Paper Pad ist nahezu perfekt.

So richtig sicher war ich mir da beim Kauf nicht. Santoro Mirabelle kommt wie immer sehr zugeknöpft daher. Das Äußere des Blocks ziert ein handgezeichnetes Mädchen, dass unverkennbar Santoro ist. Mehr ist da nicht zu sehen. Keine Übersicht über die enthaltenen Designs, nichts lässt erahnen, was einen drinnen erwartet. Selbst die Onlineanbieter scheinen kaum Bildmaterial zur Verfügung zu haben. Da ich nur ungern die Katze im Sack kaufe, konnte nur Google helfen und siehe da: sowohl die Google Bildersektion, als auch der Online-Shop Stamping Fairies und einige begeisterte YouTuberinnen (z.B. craftangelonline) bringen per Video Licht ins Dunkel des Santoro Papiers. 6 Glitter Designs, 4 folierte Designs, 2 in Leinenoptik, 36 Blatt insgesamt (3 pro Design). Das Paper Pad ist in 12 x 12, A4 und 6×6 erhältlich, der Inhalt ist aber überall der Gleiche, auch wenn die zuckersüß gezeichneten Mädels auf dem Cover immer andere sind.

Lediglich das 12×12 Backing Paper Pad (Achtung, das ist das mit der Meerjungfrau!) beinhaltet andere Papiere, die für die dezente Gestaltung von Hintergründen gedacht sind.

Zusätzlich kann sich der übereifrige Sammler gleich noch den passenden Decoupage Block und Clear Stamps alle Covergirls gönnen, sowie tausende und abertausende Blümchen, Metallverzierungen, Brads, Bänder und sogar Stoffe. Das muss ich nicht haben, ist aber trotzdem schön zu wissen.

Auch noch schön zu wissen wäre, was ich nun mit diesem Zauberpapier anfangen werde. Ehrlich gesagt: keine Ahnung, ob ich es wagen soll, es überhaupt zu zerschneiden. Vielleicht warte ich auch einfach bis zum nächsten Quartal und auf ein neues Lieblingspapier. Oder ich horte noch ein Zweites und baue aus diesem das schönste Album der Welt, dass ich euch mit Sicherheit zeigen werde…

Das Telefon klingelt, wieder ist PATCH dran.

„Kind, was ist denn mit dir? Ich warte seit 4 Stunden auf ein Bild. Und ich dachte schon, ich komme mit der Technik nicht klar.“

„Beruhige dich, Mutter, gut Ding will Weile haben. Und vielleicht bin ich zwischendurch auch mal kurz in Ohnmacht gefallen vor lauter Luftanhalten. Wie auch immer, ich muss jetzt Papier streicheln und hier kommen die Bilder.“

 

 

Alles Liebe,

PAPER